Luftbild-Visualisierung einer geplanten Formel-1-Rennstrecke mit langen Kurven in der grünen Landschaft nahe der deutsch-dänischen Grenze bei Pattburg
    JOURNAL
    Region·11 MIN

    Formel 1 direkt hinter der Grenze? Der „Circuit of Denmark“ bei Pattburg

    Es klingt zunächst nach einer kühnen Vision — und liegt doch fast vor der Haustür: Nur wenige Kilometer nördlich der deutsch-dänischen Grenze, zwischen Pattburg (dänisch: Padborg) und Tingleff (Tinglev), soll eine der größten und modernsten Motorsportanlagen Europas entstehen. Unter dem Namen „Circuit of Denmark“ wollen zwei Erben des Pharmakonzerns Novo Nordisk den bestehenden „Padborg Park“ zu einer sechs Kilometer langen Grand-Prix-Strecke ausbauen. Das erklärte Fernziel: die Formel 1 erstmals nach Nordeuropa holen. Für Gäste der Villa Boreal an der Flensburger Förde wäre das ein Großereignis in Sichtweite — Grund genug, das Projekt einmal einzuordnen.

    Was genau ist geplant?

    Der heutige „Padborg Park“ ist eine rund zwei Kilometer lange Strecke, die 2003 auf dem Gelände eines ehemaligen Flugplatzes eröffnet wurde und bislang vor allem kleineren Wettbewerben, Trainings- und Trackdays dient. Neben diesem bestehenden Kurs soll nun ein völlig neuer, 6,006 Kilometer langer Rundkurs mit 18 Kurven entstehen — nach Fertigstellung die längste Rennstrecke Nordeuropas. Entworfen wird sie von Wurz Design, dem Büro des früheren Formel-1-Fahrers Alexander Wurz.

    Geplant ist weit mehr als reiner Asphalt: Die Rede ist von Tribünen für bis zu 100.000 Zuschauer, Hotels, einem Konferenzzentrum sowie Go-Kart- und Motocross-Strecken. Die Projektverantwortlichen sprechen von einer Anlage, die internationale Rennserien anziehen und zugleich Nachwuchstalente fördern soll. Weil es in ganz Nordeuropa bisher keine Formel-1-taugliche Strecke gibt — die nächste liegt am Nürburgring —, sehen die Initiatoren eine echte Lücke.

    Die Menschen hinter dem Projekt

    Hinter dem Vorhaben stehen der Unternehmer Henrik Lyngbye Pedersen und sein Sohn Mathias Lyngbye Villadsen, beide Erben einer der Gründerfamilien von Novo Nordisk und selbst im Motorsport aktiv. Henrik Lyngbye Pedersen fuhr bis vor wenigen Jahren noch selbst Rennen; heute tritt sein Sohn in seine Fußstapfen. Die Idee entstand nach eigenen Angaben bei einem Wettbewerb in Pattburg, als beiden auffiel, wie günstig die Lage für Publikum aus Deutschland und ganz Skandinavien ist. Als Projektdirektorin wurde Rebecca Palmberg Steele benannt, die betont, man wolle eine Lücke im nordeuropäischen Motorsport schließen.

    Vom „Padborg Park“ zum „Circuit of Denmark“

    Der Padborg Park hat durchaus Geschichte: Beim Eröffnungsrennen 2003 setzte sich der heutige dänische König Frederik (damals Kronprinz) gegen seinen Bruder Prinz Joachim durch — ein Bild, das in Dänemark bis heute nachwirkt. Aus dieser eher beschaulichen Trainingsstrecke soll nun ein Schauplatz für den großen Motorsport werden. Auch der Padborg-Park-Gründer Jens Enemark begrüßt die Pläne ausdrücklich, und die Kommune Apenrade (Aabenraa) zeigt sich begeistert: Bürgermeister Jan Riber Jakobsen erklärte, für etwas Vergleichbares müsse man bis nach England oder Deutschland schauen.

    Zwischenschritt: erst kleinere Klassen, dann Formel 2

    So groß der Traum von der Formel 1 ist — die Initiatoren bleiben realistisch. Zunächst soll eine Strecke für kleinere Rennklassen entstehen; als erstes ernsthaftes Ziel gilt die Formel 2. Erst danach, wenn Nachfrage, Infrastruktur und internationale Anerkennung stimmen, könnte die Königsklasse folgen. Ein konkreter Zeitplan existiert bislang nicht — klar ist nur, dass die Umsetzung mehrere Jahre in Anspruch nehmen dürfte.

    Budget, Genehmigungen und Zeitplan

    Das Gesamtbudget beziffern die Initiatoren auf rund 3,8 Milliarden dänische Kronen — umgerechnet gut eine halbe Milliarde Euro. Einen erheblichen Teil davon müssen noch Investoren beisteuern. Mit Landeigentümern und der Kommune Apenrade steht das Team nach eigenen Angaben in Kontakt; das Projekt wurde dem Stadtrat Anfang Mai 2026 präsentiert und kurz darauf öffentlich gemacht. Die entscheidenden Genehmigungen, Umwelt- und Behördenprüfungen stehen jedoch noch aus. Ein belastbarer Fahrplan lässt sich daher seriös noch nicht nennen.

    Nicht alle teilen die Begeisterung

    Wo Großes geplant wird, gibt es auch Bedenken. Anwohnerinnen und Anwohner rund um den Padborg Park fürchten vor allem dauerhaften Lärm: Schon heute ist die Strecke je nach Windrichtung deutlich zu hören, und ein ganzjähriges Programm aus Trainings, Rennen und Konzerten könnte die Belastung an vielen Wochenenden spürbar erhöhen. Hinzu kommt die Sorge vor sinkenden Immobilienwerten sowie Kritik daran, dass Betroffene erst über die Presse von den Plänen erfuhren.

    Auch die Frage nach der Vereinbarkeit mit Dänemarks ambitionierten Klimazielen wird gestellt. Die Projektverantwortlichen verweisen darauf, dass man sich in einer frühen Phase befinde und Fragen zu Lärm, Verkehr und Nachbarschaft ein zentraler Teil der kommenden Umweltuntersuchungen seien — beantwortet „mit Daten und Dokumentation, nicht mit Bauchgefühl“. Wie ein Dialog mit den Betroffenen konkret aussehen soll, ließen Kommune und Projektträger bislang offen.

    Was bedeutet das für Gäste der Villa Boreal?

    Pattburg liegt nur eine kurze Autofahrt nördlich von Flensburg — von der Villa Boreal an der Flensburger Förde aus ist die Region in etwa einer halben Stunde erreichbar. Sollte der „Circuit of Denmark“ tatsächlich entstehen, läge damit eines der größten Sportprojekte Nordeuropas praktisch vor der Haustür — ideal für einen Tagesausflug über die Grenze, ob zu einem Rennwochenende, einem Trackday oder einfach aus Neugier. Noch ist all das Zukunftsmusik, doch schon jetzt zeigt es, wie viel sportliche Dynamik in der Grenzregion steckt.

    Fazit — eine Vision mit realem Fundament

    Der „Circuit of Denmark“ ist noch kein Grand Prix, aber deutlich mehr als ein Luftschloss: ein durchdachtes Konzept, prominente Namen und eine Kommune, die mitzieht — dem stehen offene Finanzierung, Genehmigungen und berechtigte Anwohnerbedenken gegenüber. Für Motorsportfans an der Förde ist die Entwicklung in jedem Fall spannend zu verfolgen. Wer die Region rund um Flensburg und die dänische Grenze selbst erleben möchte, kann jederzeit die Verfügbarkeit der Villa Boreal prüfen und die Grenzregion zum eigenen Basislager machen.

    Quellen (Stand Mai/Juni 2026): NDR Schleswig-Holstein, Der Nordschleswiger, TV 2, DR, Børsen, tvSyd, IceNews sowie GPFans. Alle Angaben zum Stand der Planung; ein verbindlicher Zeitplan liegt noch nicht vor.

    Lesen Sie auch unsere Beiträge zu Tagesausflügen nach Dänemark, zum Sport in Flensburg sowie zu aktiven & sportlichen Erlebnissen an der Förde.

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